Eindrücke von der VDRP-Tagung

PV Baden bot beste Rahmenbedingungen für Fachtagung in der Alfed-Sauer-Stiftung in Lobbach

Nach einjähriger staatlich angeordneter Zwangspause konnten wir uns endlich wieder vom 13. – 15. August 2021 zur Schulungsleiter- und Jahreshauptversammlung treffen. Die Preisrichterkollegen der PV Baden hatten die Durchführung übernommen. Bereits Anfang des Jahres entschlossen sich der VDRP-Vorstand und die Veranstalter dazu, die geplante Tagung von Mitte Juni in den August zu verlegen.

Eine weise Entscheidung, denn im Sommer sollte in Deutschland wieder Normalität eintreten. Die Alfred-Sauer-Stiftung in Lobbach war für unsere Zwecke gut gewählt und bot mit Unterkunft und Tagungsräumen beste Bedingungen. An dieser Stelle an die drei Hauptakteure der PV Baden Uwe Mauer, Bernd Kippenhan und Christian Müller ein großes Dankeschön. Sie hatten alles bestens organisiert und coronasicher durchgeführt. Wie 2019 in Bücken beschlossen, starteten wir erst Samstagmittag in die Tagung. Gut 50% der Teilnehmer nutzte dieses und reiste erst am Samstagfrüh in Lobbach an. Der verkürzte Modus gab der Schulungsleitertagung aber keinen Abbruch bei der Informationswiedergabe.  Ich denke, die Zeit von einem großen Abend- und Kulturprogramm zu solch einer Tagung passt nicht mehr in unsere Zeit. So starteten wir pünktlich um 13.00 Uhr in die Schulungsleitertagung 2021. Mit 10 Punkten war die TOP reichhaltig bestückt und der Zeitplan eng abgesteckt. Aber auch zwei Anträge mussten vorab in der Versammlung besprochen werden, genau wie Erfahrungen der Schulungsarbeit in den Preisrichtervereinigungen zu Coronazeiten. Über deutliche Fortschritte hin zur digitalen Bewertung konnte BDRG-Präsidiumsmitglied Hansjörg Opala den Schulungsleitern berichten. Gestützt auf das von den Schulungsleitern zur Tagung in Bücken erarbeitete Anforderungsprofil hatte das BDRG Präsidium die Entwicklung einer Software ausgeschrieben. Das Angebot stellte Hansjörg Opala detailliert vor. Mit dem eigenen Smartphone oder Tablet könnten die Preisrichter die von den Ausstellungsleitungen auf einem zentralen Server abgelegten Bewertungsaufträge herunterladen und ihre Bewertungen in eine einfache, sehr übersichtliche Maske eintragen. Nach Abschluss der Bewertung drucken sie dann die Bewertungskarten selbst aus und die Ausstellungsleitung übernimmt die Bewertungslisten vom Server direkt digital in den Katalog. Mit diesem Arbeitsstand wurden jetzt die PVen beauftragt, dieses in den kommenden Versammlungen, Ihren Preisrichtern ausführlich vorzustellen. So sollen laut VDRP-Vorstandsmitglied Martin Backert alle Preisrichter getrennt in den Kategorien unter 60 Jahren über 60 Jahre dazu befasst werden, ob Sie sich vorstellen könnten, ein solches digitales Bewertungssystem bei ihrer Arbeit nutzen zu wollen.

Bis Ende Oktober soll hier an den VDRP-Vorstand die Auswertung aus den Preisrichtervereinigungen erfolgen. Im gleichen Schritt wird auch der BDRG an seine Vereine die gleiche Abfrage starten, ob die vielen Ausstellungsleitungen vor Ort mit einem solchem System ihr Ausstellungsprogramm ergänzen wollen. Vor dem Einstieg in das „Gespräch am Runden Tisch“ gab Spartenvorsitzender Uli Freiberger vom BZA nochmal einen kurzen Überblick über neu anerkannte Rassen im Jahr 2020 und die Zulassungsmodalitäten rund um das Thema der Vorstellung der neu anzuerkennenden Rassen.

Das zentrale Thema Wägen von Geflügel wurde in der Versammlung rege diskutiert. Auslöser war ein Urteil gegen einen Preisrichter der PV Württemberg-Hohenzollern, der in einem Leserbrief in der Geflügelzeitung forderte, man müsse das Geflügel wiegen und die Gewichte auf der Bewertungskarte vermerken, um richtungsweisend bewerten zu können.

Schon bei minimaler Abweichung vom Standardgewicht hatte er diese Tiere herabgestuft. Nach Beschwerden von Züchtern bei seiner PV wurde ihm eine Verwarnung mit Geldbuße und nach weiterer Uneinsichtigkeit in diesem Punkt eine Sperre ausgesprochen. Der betroffene uneinsichtige Preisrichter suchte sich dazu gleichdenkende Wegbegleiter in unseren Reihen. Es gab weiter Wortmeldungen in der Presse und das Bundesehrengericht urteilte nach Stellungnahmen von BZA und VDRP zu einer Klage, das BDRG-Präsidium müsse eine Änderung der AAB Vorschrift zur Unzulässigkeit der Verwendung mathematischer Begriffe bei der Kritikabfassung herbeiführen.

Zur Schulungsleitertagung mussten nun auch die Preisrichter zu diesem Thema Stellung beziehen. Das Für und Wider wurde ausgiebig beleuchtet und besprochen.  Letztendlich wurde aber ein eindeutiges Votum der Delegierten abgegeben. Es gilt, dass auf allen Ausstellungen die gleichen Bedingungen zur Bewertung angewandt werden müssen, um den Züchtern eine einheitliche Bewertungsgrundlage zu garantieren. „Ein Verband muss nicht wenigen seine Aufmerksamkeit schenken, sondern der Mehrheit recht geben“. Deshalb wird auch zukünftig das Rassegeflügel bei der Bewertung nicht durch die Preisrichter gewogen.

Alleinig dem BZA sei dies vorbehalten hier bei auffälligen Rassen Kontrollwägungen zu tätigen und mit den entsprechenden Sondervereinen Kontakt aufzunehmen um diesen gegenzusteuern.

Corona hat auch bei der Ausbildung und der Schulung der Preisrichter im Jahr 2020 für Stillstand gesorgt. Versammlungsverbote, Kontaktbegrenzungen und die Bestimmungen des Lock-Downs machten ein gewohntes Abhalten der Versammlungen unmöglich. Andraes Feßner, Vorsitzender der PV Hannover zeigte, wie man mit Newsletter und Online-Vorstandssitzungen dennoch in dieser Zeit gute Verbandsarbeit leisten kann und seine Mitglieder über elektronische Wege oder mit der Post informieren und schulen kann.  Im anschließenden Fachvortrag referierte Michael Barbeito von der PV Baden über die Bewertung von Steigerkröpfern.

Zur JHV am Sonntagmorgen konnte der scheidende Vorsitzende Dr. Günter Breitbarth zahlreiche Ehrengäste und Ehrenmitglieder begrüßen. Ein besonderer Gruß ging an die Ehrenmitglieder des VDRP Horst-Dieter Ratzki, Günter Wesch und Kurt Vogel. Vom BDRG war der Vizepräsident Wolfram John und vom LV Baden der 1. Vorsitzende Walter Weiser und Ehrenvorsitzender Hermann Lenz anwesend und sprachen ihre Grußworte. Auch die Fachverbände VHGW (Hans Trinkl), VZV+BZA (Uli Freiberger) überbrachten ihre Grüße. Von den 18 Preisrichtervereinigungen waren 17 mit ihren Vorsitzenden oder Vertretern präsent. Nur die PV Bremen fehlte zum wiederholten Male.

Den verstorbenen Preisrichterkollegen Christian Kühne (PV-Kurhessen), Hermann Bormann (PV Bremen), Willi Wilbs (PV Württemberg), Rolf Daubethaler und Peter Heinen (PV Baden) und Georg Aselmann (PV Hannover) wurde mit einer Schweigeminute gedacht. Mit der Ehrenmitgliedschaft im VDRP wurden die PR-Kollegen Werner Weschenfelder (PV Baden), Jürgen Weichold und Gerald Beyermann (beide PV Thüringen) geehrt. Unser aller Glückwunsch nochmal dazu. Dr. Günter Breitbarth hielt für 2019 und das Jahr 2020 seine Jahresberichte ab und ließ noch einmal seine 30 Jahre Vorstandstätigkeit Revue passieren.

Ein großer Dank ging von ihm an alle, die ihm im Vorstand des VDRP und der PVen in all den Jahren breit unterstützt hatten. Kassierer Siegfried Küper brachte der Versammlung einen soliden Kassenstand des VDRP näher. Die Kassenprüfer Alexander Aigner und Olaf Singer bestätigen eine einwandfreie Kassenführung und schlugen eine Entlastung des Vorstandes für die Geschäftsjahre 2019 und 2020 vor, dessen die Delegierten einstimmig folgten.

Auf Grund des Ausscheidens des 1. Vorsitzenden Dr. Günter Breitbarth musste ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Zum neuen Vorsitzenden des VDRP wurde der amtierende 2. Vorsitzende Martin Backert gewählt. Beisitzer Andreas Feßner wurde zum 2. Vorsitzenden gewählt. Die beiden Vorstandsmitglieder Hans-Peter Falk (1. Beisitzer) und Siegfried Küper (Kassierer) wurden in Ihren Ämtern wiedergewählt. Als 2. Beisitzer rückte Dr. Markus Eberhard von der PV Mecklenburg-Vorpommern in den Vorstand nach.

Die Wahlen erfolgten alle einstimmig. Dr. Günter Breitbarth wurde für sein über 30jähriges Wirken im VDRP-Vorstand und das 15 Jahre als 1. Vorsitzender würdigend durch den neuen 1. Vorsitzenden verabschiedet und zum Ehrenvorsitzenden des VDRP ernannt. Zwei Anträge mussten die Zustimmung der Preisrichtervereinigungen finden. Zum einen einer für die VDRP-Satzung. Hier soll zukünftig geregelt werden, dass Preisrichter während ihres Bewertungsauftrages mittels Handys oder anderer elektronischer Geräte, Bewertungen oder Bilder von den zu bewerteten Tieren nicht mehr verbreiten dürfen, so lange der Bewertungsauftrag nicht abgeschlossen ist. Dieser Antrag fand mehrheitlich seine Zustimmung.  Der zweite Antrag war schon von seiner Bedeutung etwas tiefgreifender. In der AAB sollte festgelegt werden, dass Obleute zu den Bundes- und Landesverbandsschauen nicht mehr in der Ausbildungsgruppe zum Einsatz kommen sollen, in der sie auch auf der gleichen Schau Aussteller sind.

Zu diesem Antrag gab es ausgiebige Wortmeldungen und Diskussion. Ein überarbeiteter Antrag, mit dem der Einsatz der Obleute in Rassengruppen untersagt wird, in denen sie selbst ausstellen, fand eine mehrheitliche Zustimmung in der JHV am Sonntagmorgen.  Den Antrag hatte eine Arbeitsgruppe am Vortag umformuliert und dabei auf Vorschlag des BZA die Rassengruppen anhand der Gruppierung der Rassen auf Ausstellungen festgelegt. Die Bundesversammlung muss diese Änderung der AAB nun noch bestätigen. Die Ausbildungszeit der Preisrichter und der Anwärter beschäftigt den VDRP und die Preisrichtervereinigungen der Landesverbände schon seit mehreren Jahren. Reformen sind gefragt, will man bei den zukünftigen Preisrichtern auch weiterhin attraktiv sein. Ein Antrag dazu fand in der Jahreshauptversammlung vor drei Jahren keine Zustimmung. Der VDRP hat als Hausaufgabe mit auf dem Weg bekommen, hier bis zum nächsten Jahr ein Konzept zu erarbeiten, um die Ausbildungsgänge zu vereinfachen. Die PV Thüringen lud zum Abschluss zur nächsten VDRP Tagung 2022 recht herzlich ein.

Martin Backert